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HUMANBIOLOGIE

Seuchen [1]: Eine kurze Geschichte

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Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Kultur, der Wissenschaft, der Kriege, der Macht, aber auch der Hinfälligkeit und Krankheit. Siechtum und Gebrechen aller Art bedrängen und bedrohen uns, und zerstören das Glück von Familien. Krankheiten, insbesondere aber Epidemien, wurden stets als böses Zeichen ange­sehen. Man sprach von einer „Strafe des Himmels“, oder von „Werken des Teufels“. Seit der Entdeckung des Medikaments Penizillins glaubte man, die ganz schweren Krankheiten im Griff zu haben. Dieser Glaube sollte sich bald als Irrtum herausstellen. Seit über 10 Jahren macht uns eine Krankheit zu schaffen, die eine Bedrohung für die Menschheit darstellt, wie es einst nur die Pest oder die Cholera war: Die Krankheit AIDS, zu Beginn der Achzigerjahre sträflich unterschätzt, hat sich zu einer gewaltigen weltweiten Epidemie entwickelt.

AIDS ist so überraschend schnell und todbringend über die Menschheit gekommen, dass es Jahre dauerte, bis die „Schrecksekunde“ überwunden war. Die Bedrohung ist längst erkannt, aber ein durchschlagender Erfolg im Kampf gegen AIDS ist noch nicht in Sicht. AIDS breitet sich nach wie vor aus, obwohl die eine oder andere „Erfolgsmeldung“ die Entwicklung eines Medikamants ankündigt.

Die ganz großen Feldzüge der tödlichen Mikroben haben in der Vergangenheit stattgefunden.

Die grausamste Epidemie der Geschichte war die Pest. Ihr erster Vernichtungszug dauerte von 1346 bis 1352. Damals starben allein in Europa über 20 Millionen Men­schen, dies war ein Viertel (!) der damaligen Bevölkerung.

Kinder, Greise, Frauen, Männer - der „schwarze Tod“ wütete und verschonte kein Geschlecht und keinen Stand. Der Krankheitsverlauf war fast immer derselbe. Zuerst traten schmerzhafte beulenförmige Schwellungen an den Achselhöhlen, am Hals und den Leisten auf, dann bildeten sich schwarze Flecken (Blutergüsse) unter der Haut, zuletzt platzten die Beulen auf. Drei Tage nach Auftreten der ersten Symptome starb normalerweise das bedauernswerte Opfer. In manchen Fällen brachen die Pestbakterien direkt in die Blutbahn ein, was einen septischen Schock und somit einen raschen und gnädigen Tod zur Folge hatte.

Im Zeitalter des „Schwarzen Todes“ schrieb man die Krankheit unheilvollen Planetenkonstellationen, teuflischen Kräften, mysteriösen Giften in der Atmosphäre oder einfach der Strafe Gottes zu.

Pest:

Relativ spät, erst im Jahre 1894, entdeckte der französische Bakteriologe Alexandre Yersin, dass die Beulenpest von einem Bakterium verursacht wird. Wenn ein Rattenfloh eine vom Pestbakterium infizierte Ratte beißt, nimmt er das Bakterium auf. Dieses vermehrt sich im Darm des Flohs und verstopft seinen Verdauungstrakt. Die Folge ist, dass das Tier kein Blut mehr verdauen kann. Es wird hungrig und aggressiv und attackiert immer häufiger auch andere Tiere. Sind die Ratten in der Umgebung durch das Pestbakterium dezimiert, so wechselt der Floh nicht selten auf den Men­schen über. Vom Menschen auf andere Menschen können sich die Bakterien, ähnlich wie beim Schnupfen, durch bloße Tröpfcheninfektion weiterverbreiten.

Hätte man im Mittelalter diese Infektionswege gekannt, so wäre der Pest rasch der Garaus gemacht worden. Durch Jahrhunderte hindurch kam die Pest immer wieder nach Europa und forderte jedes Mal unzählige Menschenleben. Der letzte ganz große Ausbruch erfolgte im Jahre 1665 in London und endete mit einem Großbrand 1666.

Die Pest gibt es erstaunlicherweise immer noch. Im Jahre 1986 wurden in den USA 10 Fälle registriert. Da die Verbreitungswege bekannt sind und Medikamente zur Verfügung stehen, vor allem aber, da sich die hygienischen Verhältnisse gebes­sert haben, wird es so bald keine große Pestepidemie mehr geben.

Neben der Pest machten andere Epidemien den Menschen ebenfalls Sorgen.

Cholera:

Die Cholera, welche bis ins 19. Jahrhundert auf Asien beschränkt war, verbreitete sich in den letzten hundert Jahren über die ganze Welt. Sie bricht in vielen Hunger- und Krisengebieten regelmäßig aus und tötet Menschen. Erreger: Bakterium Vibrio comma.

Diphterie:

Im Jahre 1735 brach in Nordamerika eine Seuche aus, die bis 1740 ein Fünftel aller kleinen Kinder tötete. Die Symptome waren hohes Fieber, starke Halsschmerzen, Gewebszerstörungen innerer Organe und Tod durch Herzversagen. Der Erreger war ein Bakterium namens Corynebacterium diphteriae, die Krankheit erhielt später den Namen ‘Diphterie’.

Grippe:

Auch die Grippe gehört zu den ganz gefährlichen Seuchen. In den letzten 300 Jahren wanderten Grippeviren in mehreren Wellen um den Erdball. Die letzte  große Grippe-Epidemie tötete in den Jahren 1918 und 1919 in den Industrienationen der Welt rund 20 Millionen Menschen und richtete gewaltigen wirtschaftlichen Schaden an - nicht zu reden vom menschlichen Leid.

Wir belächeln oder bedauern heute die biologischen und medizinischen Unkenntnisse unserer Vorfahren, welche die Pest und andere Epidemien für eine „Strafe Gottes“ hielten. Dies bedeutet nichts anderes, als den angeblich gütigen Schöpfergott auf einen grausamen Rächer im Diesseits zu reduzieren. Es gibt heute leider nicht wenige Menschen, welche den Aberglauben des Mittelalters fortführen und AIDS für eine Strafe oder Heimsuchung Gottes halten.

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