Frontpage Frontpage von Welt der Biologie

Übersicht

EVOLUTION

Eine kurze Geschichte der Theorien
über die Enwicklung der Erde und des Lebens

Zum Seitenanfang

GENESIS, ALTES TESTAMENT: "Dann sprach Gott: Es lasse sprießen die Erde grünende, samenhaltende Kräuter und fruchttragende Bäume, die Früchte bringen nach ihrer Art, Früchte, die in sich selbst ihren Samen tragen auf Erden." "So schuf Gott die großen Seeungeheuer und all die lebenden Wesen, die sich regen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihren Arten, und alle beschwingten Vögel in ihren Arten."
"So machte Gott das Wild des Feldes nach seiner Art, das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm, das auf dem Boden kriecht, nach seiner Art."
"Dann sprach Gott: Lasst uns den Menschen machen als unser Ebenbild, uns ähnlich."
"Da bildete Gott der Herr den Menschen aus dem Staub der Erde und hauchte ihm den Odem des Lebens ins Angesicht."

CARL VON LINNÉ (1707 1778): "Es gibt so viele Arten, wie das Unendliche Wesen im Anfang geschaffen hat."

JEAN BAPTISTE DE LAMARCK (1744 1829): "In Wirklichkeit ist das, was wir als System der Tiere und Pflanzen bezeichnen, ein Stammbaum, eine Ahnenreihe. Die Arten lassen sich nicht gegeneinander abgrenzen, sie gehen ineinander über, vom einfachen Infusorium bis hinauf zum Menschen. Die fossilen Formen des organischen Lebens sind die echten, richtigen Vorläufer unserer heutigen Lebewesen."

GEORGES DE CUVIER (1769 1832): "Es gibt keinen fossilen Menschen."

CHARLES DARWIN (1809 1882): "Ich bin vollkommen überzeugt, dass die Arten nicht unwandelbar sind, sondern dass die ein und derselben Gattung angehörenden in gerader Linie von anderen, gewöhnlich schon erloschenen Arten abstammen. Ich bin ferner überzeugt, dass die natürliche Zuchtwahl das wichtigste, wenn auch nicht das einzige Mittel der Veränderung gewesen ist."

TEILHARD DE CHARDIN S. J. (1881 1955): "Die Evolution des Menschen hat ihren Höhepunkt also keinesfalls schon erreicht ...; sie ist vielmehr in unserer Zeit in vollem Aufschwung."

WACHTTURM BIBEL UND TRAKTATGESELLSCHAFT (1968 - der kreationistische Standpunkt): " Die natürliche Zuchtwahl oder das Überleben des Tüchtigsten' kann im besten Falle nur die Trennung der Starken von den Schwachen bedeuten. Aber niemals entsteht allein als Folge des ‚Überlebens des Tüchtigsten' eine neue Pflanzen oder Tierart. Und da auch durch Mutationen keine neuen Arten entstehen, fehlen der Evolution die Mechanismen, mit denen sie erklärt werden könnte."
"Die wahren wissenschaftlichen Tatsachen weisen nicht auf eine Entwicklung des Menschen aus dem Tier hin, sondern darauf, dass der Mensch als eine Art erschaffen wurde, die sich von den Tieren klar und deutlich unterscheidet."


AristotelesDie griechische Biologie und die Naturwissenschaft ganz allgemein erreichten eine Art Höhepunkt mit Aristoteles (384 - 322 v. Chr.)

Er kam aus Nordgriechenland und war der Lehrer des jungen Alexander, der später einmal "der Große" genannt werden sollte. Aristoteles hatte seine große Zeit in seinen mittleren Jahren, als er das berühmte Lyzeum in Athen gründete, an dem er auch lehrte. Er war der vielseitigste und gründlichste aller griechischen Philosophen, der über fast alle Gegenstände schrieb, voll der Physik bis zur Literatur, von der Politik bis zur Biologie.

Andererseits war die Biologie und besonders das Studium der Meerestiere seine erste und liebste intellektuelle Beschäftigung. Zudem erwiesen sich die biologischen Bücher als die besten seiner wissenschaftlichen Arbeiten, obgleich sie in späteren Zeiten am wenigsten beachtet wurden.

Aristoteles beschrieb sorgfältig und genau Erscheinung und Eigenart von Tieren (naturgeschichtliche Betrachtungen). Seine Liste umfasste ungefähr fünfhundert Arten oder "Spezies" von Tieren, unter denen er differenzierte. Das Aufstellen der Liste an sich würde noch keine besondere Leistung gewesen sein, aber Aristoteles ging weiter. Er erkannte, dass verschiedene Tiere in Kategorien eingeteilt werden konnten und dass diese Gruppierung nicht unbedingt einfach und leicht durchzuführen war. Zum Beispiel ist es leicht, die Landtiere in Vierflügler, in fliegende und gefiederte Tiere (Vögel) und einen verbleibenden Rest (Schädlinge) einzuteilen. Meerestiere können alle unter der Überschrift "Fische" aufgeführt werden. Wenn man nach dieser Methode vorgehen will, ist es jedoch nicht immer einfach zu entscheiden, zu welcher Kategorie ein bestimmtes Tier gerechnet werden muss. Zum Beispiel ergab sich sehr deutlich aus Aristoteles' sorgfältiger Beobachtung des Delphins, dass dieses Tier in vielfacher und wichtiger Hinsicht einem Fisch in keiner Weise ähnelte, obgleich eine oberflächliche Betrachtung seines Aussehens und seiner Gewohnheiten seine Zugehörigkeit zur Kategorie "Fisch" nahe legte. Der Delphin hatte Lungen und atmete Luft; er würde, ganz im Gegensatz zu Fischen, ertrinken, falls er unter der Wasseroberfläche festgehalten würde. Er war ein Warmblütler und kein Kaltblütler wie gewöhnliche Fische. Außerdem, und das war das Wichtigste, brachte er lebende Junge zur Welt, die vor der Geburt durch den Mutterkuchen ernährt wurden. In allen diesen Dingen war der Delphin den behaarten warmblütigen Tieren des Landes sehr ähnlich. Aristoteles hielt es dieser Ähnlichkeit wegen für notwendig, die Gruppe der Wale (Wale, Delphine) mit den Landtieren und nicht mit den Fischen in eine Klasse zu werfen. Darin war er seiner Zeit um zweitausend Jahre voraus, denn die Wale wurden im Altertum und im Mittelalter zu den Fischen gerechnet.

Leeuwenhoek

Anton van  LeeuwenhoekFür den holländischen Kaufmann Anton van Leeuwenhoek (1632 1723), war die Mikroskopie nur ein Hobby.

Die ersten Benutzer des Mikroskops hatten Linsensysteme benutzt, die eine stärkere Vergrößerung als eine einzelne Linse hervorbringen konnten. Die von ihnen benutzten Linsen waren jedoch unvollkommen. Sie besaßen auf der Oberfläche Unebenheiten und im Inneren Blasen. Versuchte man eine zu starke Vergrößerung, dann erschienen die Einzelheiten verschwommen.

Van Leeuwenhoek benutzte dagegen einzelne Linsen, die nur so groß waren, dass sie aus kleinen blasenfreien Stückchen Glases hergestellt werden konnten. Er schliff diese solange mit peinlicher Genauigkeit, bis er klare Bilder in bis zu 200 facher Vergrößerung erhielt. Die Linsen waren in einigen Fällen nicht größer als ein Stecknadelkopf, reichten aber für seine Zwecke vollkommen aus.

Er sah sich alles durch seine Linsen an und konnte die roten Blutkörperchen und die Kapillargefäße mit mehr Einzelheiten und größerer Genauigkeit beschreiben, als frühere Entdecker Swammerdam und Malpighi gekonnt hatten.

Am aufsehenerregendsten war jedoch die Entdeckung, die er bei der Betrachtung von stehendem Wasser durch seine Linsen machte. Er sah winzige Gebilde, die dem bloßen Auge verborgen blieben, die aber mit allen Anzeichen des Lebens ausgestattet waren. Diese "Animalcules" (wie er sie nannte) sind heute als "Protozoen" bekannt. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Urtiere".

Es wurde somit deutlich, dass nicht nur Gegenstände, sondern auch Lebewesen von solcher Winzigkeit existierten, die mit dem nackten Auge nicht wahrgenommen werden konnten. Ein weites und neues biologisches Gebiet eröffnete sich hier vor den erstaunten Augen der Menschen. Das war die Geburtsstunde der Mikrobiolgie (Untersuchung mikroskopisch kleiner Organismen). Im Jahre 1683 erblickte Van Leeuwenhoek kaum sichtbare Lebewesen, die noch erheblich kleiner als die Protozoen waren. Seine Beschreibungen sind notwendigerweise undeutlich. Aber es erscheint ganz sicher, dass sein Auge als erstes in der Geschichte das sah, was später unter dem Namen "Bakterien" bekannt werden sollte.

Urzeugung:

Der englische Naturforscher John Turberville Needham (1713 bis 1781), der auch gleichzeitig ein katholischer Priester war, brachte im Jahre 1748 Hammelfleischbouillon zum Kochen und füllte sie in eine Versuchsröhre, die er mit einem Korken verschloss. Nach einigen Tagen wimmelte es in der Bouillon von Mikroorganismen. Da Needham annahm, dass die vorherige Erhitzung der Bouillon diese sterilisiert habe, folgerte er, dass die Mikroorganismen aus totem Material entstanden seien und dass er ihre spontane Zeugung bewiesen hätte.

Der italienische Biologe Lazzaro Spallanzani (1729 - 99) zeigte sich gegenüber diesem Versuch sehr skeptisch. Er glaubte, dass vor allem die Zeit der Erhitzung nicht genügend verlängert worden sei, so dass die Bouillon nicht habe steril werden können. Im Jahre 1768 stellte er eine Nährlösung her, welche er zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde kochte. Erst dann versiegelte er sie in einer Flasche, und nun traten keine Mikroorganismen auf.

Klassifizierung:

Carl von Linné Der schwedische Naturforscher Carl von Linne (1707 78) entwickelte eine moderne Klassifizierung der Lebewesen. Er ist gewöhnlich unter seinem latinisierten Namen Carolus Linnaeus bekannt. Bis zu seiner Zeit hatte sich die Anzahl der verschiedenen Arten lebender Organismen auf mindestens 70000 erhöht. Im Jahre 1732 reiste Linnaeus Tausende Meilen kreuz und quer durch Nordskandinavien und entdeckte in kurzer Zeit Hunderte von neuen Pflanzenarten.

Noch während seines Studiums untersuchte er die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen, bemerkte die Formen, durch die sich diese von Art zu Art unterschieden, und versuchte, sie auf dieser Basis zu klassifizieren. Im Laufe der Zeit wurde dieses Vorhaben immer umfangreicher. 1735 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "Systema Naturae", in welchem er ein Klassifikationssystem der Arten aufstellte, auf das unser heutiges zurückgeht. Linnaeus wird daher als Begründer der Taxonomie betrachtet (das ist die Wissenschaft von der Klassifikation der Arten von Lebewesen).

Linnaeus gruppierte systematisch ähnliche Arten in Gattungen ("genera", Einzahl "genus", von einem griechischen Wort für Rasse). Ähnliche Gattungen wurden in "Ordnungen" und ähnliche Ordnungen in "Klassen" zusammengefasst. Alle bekannten Tierarten teilte er in sechs verschiedene Klassen ein: Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische, Insekten und "Vermes" (Würmer). Diese Einteilung in Hauptgruppen war (aus heutiger Sicht) fehlerhaft, die Unzulänglichkeiten wurden später aber behoben.

Jeder Art gab Linnaeus einen lateinischen Doppelnamen. Der erste Name bezeichnet die Gattung, der zweite die besondere Art. Diese Form der "binären Nomenklatur" ist seit dieser Zeit beibehalten worden und hat den Biologen für die Lebensformen eine internationale Sprache geschaffen, die ein nicht anzugebendes Ausmaß von sonst zu erwartender Verwirrung von vornherein beseitigt hat. Linnaeus versah sogar den Menschen mit einem offiziellen Namen, der ihm bis heute geblieben ist "Homo sapiens".

Rudimente:

Comte de BuffonDer französische Naturforscher Georges Louis Leclerc Comte de Buffon (1707-88) schrieb eine sehr populäre Enzyklopädie über Naturgeschichte. Darin führte er aus, dass einige Lebewesen Körperteile ohne bestimmte Funktion besäßen, wie z. B. die zwei zusammengeschrumpften Zehen, welche ein Schwein an den Seiten seiner Klauen besitzt. Könnte es denn nicht sein, dass diese Zehen einst ihre volle Größe besessen haben, gebraucht worden und erst im Laufe der Zeit verkümmert sind? Könnte nicht ganzen Organismen das gleiche beschieden gewesen sein? Könnte nicht ein Affe ein entarteter Mensch oder ein Esel ein entartetes Pferd sein?

Der englische Arzt Erasmus Darwin (1731 - 1802) schrieb lange Gedichte, die von Botanik und Zoologie handelten, in welchen er das Linnésche System anerkannte. In ihnen behandelte er auch die Möglichkeit, dass Umwelteinflüsse eine Art verändern können. Diese Ansichten wären sicher heute längst vergessen, wenn nicht Erasmus Darwin der Großvater von Charles Darwin gewesen wäre, mit dem die Abstammungslehre ihren Höhepunkt erreicht hat.

Lamarck:

Jean Baptiste de Lamarck Die erste echte Evolutionstheorie stammt vom französischen Naturforscher Jean Baptiste de Monet Chevalier de Lamarck (1744 - 1829).
Lamarck brachte die ersten vier Klassen von Linné (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Fische) in die Gruppe der "Vertebraten"; das sind Tiere, die eine Wirbelsäule oder ein Rückgrat besitzen. Die beiden anderen Klassen (Insekten und Würmer) nannte Lamarck "Invertebraten". Lamarck erkannte, dass man in den Klassen der Insekten und Würmer die seltsamsten Überraschungen erleben konnte. Seine Untersuchungen führten zu einer besseren Ordnung innerhalb dieser Klassen, so dass sein System den Stand der aristotelischen Klassifikation nicht nur erreichte sondern auch weiter verfeinerte. Zum Beispiel bemerkte er, dass die achtfüßigen Spinnen nicht mit den sechsbeinigen Insekten, und dass der Hummer nicht mit dem Seestern in einer Klasse zusammengefasst werden konnte.

Von 1815 bis 1822 schuf Lamarck schließlich ein gigantisches siebenbändiges Werk mit dem Titel "Naturgeschichte der Invertebraten", welches die moderne Zoologie der Invertebraten begründete. Dieses Werk hatte ihn zum Nachdenken über die Möglichkeit einer Abstammungslehre veranlasst. Seine Gedanken über diesen Gegenstand publizierte er schon im Jahre 1801 ausführlicher jedoch in dem 1809 erschienenen Buch mit dem Titel "Zoologische Philosophie". Lamarck war der Auffassung, dass sich die Leistungsfähigkeit der Organe durch starken Gebrauch im Laufe des Lebens erhöhe und dass nichtgebrauchte Organe verkümmerten. Diese Fortentwicklung oder Degenerierung könne sich dann von Generation zu Generation fortpflanzen (dies wird auch oft mit "Vererbung erworbener Eigenschaften" bezeichnet).

Die damals gerade entdeckte Giraffe benutzte er als Beispiel, um seine Gedanken zu erläutern. Eine primitive Antilope, die gern die Blätter der Bäume abweidet, würde ihren Nacken mit aller Kraft nach oben recken, um so viele Blätter wie möglich zu erreichen. Zunge und Beine würden sich dabei ebenfalls strecken. Alle diese Körperteile würden als Resultat buchstäblich etwas länger werden, und diese Verlängerung, so nahm Lamarck an, würde sich auf die nächste Generation vererben. Die neue Generation würde schon mit längeren Gliedern beginnen und diese noch weiter strecken. Schrittweise würde sich so die Antilope in eine Giraffe verwandeln.

Geologie:

Das Jahr 1785 brachte eine Revolution. Der schottische Arzt James Hutton (1726 - 97) betrieb Geologie als Hobby und veröffentlichte ein Buch mit dem Titel "Theorie der Entstehung der Erdoberfläche". In ihm machte er sich Gedanken, wie Wasser, Wind und Wetter langsam die Erdoberfläche verändert hatten. Er behauptete, dass solche gigantischen Veränderungen wie das Entstehen von Gebirgen, das Auswaschen von Flusstälern und so weiter nur in ganz großen Zeiträumen habe erfolgen können. Die Erde musste daher viele Millionen Jahre alt sein.

Diese neue Theorie über das Alter der Erde wurde heftig bekämpft. Man musste aber zugeben, dass dadurch die Fossilfunde, für welche sich die Biologen eben erst zu interessieren begannen, eine Erklärung fanden. Das Wort "Fossil" geht auf das lateinische Wort für "ausgraben" zurück. Es wurde ursprünglich auf jeden ausgegrabenen Gegenstand angewandt. Unter dem Ausgrabungsmaterial erregten aber diejenigen versteinerten Objekte die größte Neugierde, die Strukturen besaßen, welche denen lebender Organismen glichen.

Es erschien unwahrscheinlich, dass Steine gewisse Lebensformen rein zufällig nachbilden könnten. Daher glaubten die meisten Gelehrten, Fossilien seien auf irgendeine Weise zu Stein gewordene Lebewesen. Viele vertraten die Ansicht, dass sie Reste von Geschöpfen seien, die bei Noahs Flut umgekommen wären. Wenn dagegen die Erde so alt war, wie es Hutton annahm, konnten die Fossilien außerordentlich alte Überreste sein, bei denen die körperliche Substanz sehr langsam durch das sie umgebende steinige Material des Erdbodens ersetzt worden war.

Durch William Smith (1769 - 1839), einen englischen Vermessungsingenieur, der Geologe wurde, erhielt die Fossilienkunde neue Impulse. Bei der Vermessung von Kanälen hatte er Gelegenheit, Ausgrabungen zu beobachten. Er bemerkte, wie verschiedene Arten und Formen von Gesteinen in parallelen Ablagerungsschichten oder Formationen angeordnet waren. Weiter fiel ihm auf, dass jede Schicht ihre eigene charakteristische Form von Fossilüberresten hatte, die nicht in anderen Schichten gefunden werden konnten. Wie auch immer eine solche Schicht verlief und undeutlich wurde oder sogar dem Auge in das Erdinnere entschwand und erst viele Kilometer entfernt wieder auftauchte, sie behielt ihre charakteristischen Fossilien. Schließlich konnte Smith die verschiedenen Ablagerungen durch die darin aufgefundenen Fossilien ("Leitfossilien") identifizieren.

Katastrophentheorie:

Georges CuvierDie Fossilienfunde erregten die besondere Aufmerksamkeit des französischen Biologen Georges Leopold Cuvier (1769 - 1832). Cuvier untersuchte die Anatomie verschiedener Lebewesen, verglich sie sorgfältig und betrachtete systematisch alle Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten. Dadurch begründete er die vergleichende Anatomie. Diese Studien versetzten Cuvier in die Lage, die notwendigen Beziehungen der Körperteile so genau kennen zu lernen, dass er aus der Existenz einiger Knochen die Gestalt anderer Knochen sowie die Art der zugehörigen Muskeln usw. ableiten konnte. Schließlich gelang ihm eine gute Rekonstruktion des ganzen Tierkörpers aus einer kleinen Anzahl von Teilen.

Cuvier erweiterte Linnes System, indem er dessen Klassen in noch größere Gruppen einteilte. Eine nannte er "Vertebraten", wie das schon Lamarck getan hatte, dagegen bezeichnete er den Rest nicht mit "Invertebraten". Vielmehr gliederte er diese in drei Gruppen: Gliederfüßler - Schalentiere mit Gelenken, wie Insekten und Krebstiere -, Mollusken (Muscheln und Schnecken) und Radiaten (alles übrige).

Die größten Gruppen nannte er "phyla" (Einzahl "phylum", das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Stamm"). Seit den Tagen Cuviers ist die Anzahl der Stämme vervielfacht worden, und man kennt bis heute im Tier- und Pflanzenreich zusammen mehr als drei Dutzend Stämme. Insbesondere ist der Stamm der Vertebraten auf einige primitive Tiere ohne eigentliche Wirbelsäule ausgedehnt worden und wird heute Stamm der Chordaten genannt.

Es war wieder sein Interesse an der vergleichenden Anatomie, durch welches Cuvier sein eigenes Klassifikationssystem auf jenen charakteristischen Eigenschaften aufbaute, welche Beziehungen der Strukturen und ihrer Wirkungsweise anzeigten, anstatt die oberflächlichen Ähnlichkeiten zu benutzen, die Linne leiteten. Cuvier wandte sein Klassifikationssystem hauptsächlich auf Tiere an.

Zwangsläufig dehnte Cuvier sein System auch auf Fossilien aus. Seinem erfahrenen Blick - er konnte ganze Organismen aus wenigen Teilen aufbauen - blieb es nicht verborgen, dass Fossilien nicht nur lebenden Organismen glichen. Sie besaßen Eigenschaften, die sie eindeutig dem einen oder anderen seiner Stämme zugehörig machten. Er konnte sie sogar in die Untergruppen ihres entsprechenden Stammes einteilen. Dadurch dehnte Cuvier biologisches Wissen bis in die weite Vergangenheit aus und begründete die Wissenschaft der Paläontologie, die vorgeschichtliche Lebensformen erforscht.

Die Fossilien schienen, wie sie von Cuvier gesehen wurden, Belege für eine Entwicklungslehre der Arten zu sein. Je tiefer und älter ein Fossil war, desto mehr unterschied es sich von den bestehenden Lebensformen. Einige Fossilien konnten in eine solche Anordnung gebracht werden, dass ein allmählicher Wandel erwiesen schien.

Da jedoch Cuvier ein frommer Mann war, konnte er die Möglichkeit evolutionärer Veränderungen nicht akzeptieren. Stattdessen nahm er den anderen Standpunkt ein, dass die Erde, obgleich sie sehr alt sei, periodisch Katastrophen durchgemacht hätte, die alles Leben ausgelöscht hätten. Nach jeder solchen Katastrophe würden neue Lebensformen erscheinen, die sich von den vorher existierenden vollständig unterschieden.

Moderne Lebensformen (einschließlich derjenigen des Menschen) wären nach der letzten Katastrophe entstanden. Nach dieser Ansicht musste man keine evolutionären Prozesse annehmen, um die Fossilien zu erklären. Die biblische Geschichte, die nur auf die Zeit nach der letzten Katastrophe angewandt werden sollte, konnte somit unangetastet bleiben. Zur Erklärung der Verteilung der Fossilien genügten nach Cuviers Auffassung vier Katastrophen.

Darwin:

Charles DarwinDer Mann, der einen entsprechenden Evolutionsmechanismus beschreiben und diesem einen festen Platz in der Vorstellungswelt der Biologen verschaffte, war der englische Naturforscher Charles Robert Darwin (1809 - 1882). Naturgeschichte war eines seiner Lieblingsgebiete. Im Laufe der Studienzeit steigerte sich sein Interesse an ihr so sehr, dass er sie als Lebensaufgabe wählte. Als 1831 die "Beagle", ein Schiff seiner Majestät des englischen Königs, zu einer wissenschaftlichen Expedition um die Erde bereit gemacht wurde, bot man Darwin einen Platz als mitreisender Biologe an. Er akzeptierte. Die Reise erstreckte sich über fünf Jahre. Obwohl Darwin von Seekrankheit gepeinigt wurde, reifte er in dieser Zeit zu einem genialen Naturforscher heran. Außerdem war er es, der diese Expeditionsfahrt der "Beagle" zu einer der bedeutendsten in der Geschichte der Biologie machte.

Eindrucksvollsten waren die Beobachtungen, die er während seines fünfwöchigen Aufenthaltes auf den Galapagos-Inseln, etwa 650 Meilen von der Küste Ecuadors entfernt, von der dortigen Tierwelt machte. Er beobachtete eine Gruppe von Vögeln, die bis zum heutigen Tag "Darwinsche Finken" genannt werden. Von diesen Finken gab es mindestens 14 Arten, die viele verwandte Züge trugen. Keine einzige davon kam auf dem nahe gelegenen Festland oder, soweit man wusste, sonst irgendwo in der Welt vor. Es war für Darwin nicht sinnvoll anzunehmen, dass vierzehn verschiedene Arten für diese kleine unscheinbare Inselgruppe ganz allein geschaffen worden wären.
Darwin glaubte eher, dass die Finkenarten des Festlandes die Inseln lange Zeit vorher besiedelt und deren Abkömmlinge sich allmählich im Laufe sehr langer Zeitläufe zu den verschiedenen Arten entwickelt hätten. Einige ernährten sich von einer bestimmten Sorte Samen, andere von einer anderen und wiederum andere von Insekten. Jede Art entwickelte einen ihrer Lebensweise gemäßen Schnabel, eine besondere Größe und eine besondere Lebensordnung. Bei den ursprünglichen Finken des Festlandes trat eine solche Entwicklung aufgrund des Existenzkampfes mit vielen anderen Vogelarten nicht ein. Auf den Galapagos jedoch hatten die Finken ein von anderen Vögeln verhältnismäßig unbewohntes Land vorgefunden, das ihnen Raum für die Ausbildung vieler Arten gab.

Ein wesentlicher Punkt blieb ungeklärt. Wodurch wurden solche evolutionären Veränderungen bewirkt? Was machte aus einer Finkenart, die sich von Samen ernährte, allmählich eine andere, deren Nahrung aus Insekten bestand? Darwin konnte eine Erklärung im Lamarckschen Sinne nicht akzeptieren, die in der Vermutung bestand, dass die Finken versucht haben könnten, sich von Insekten zu ernähren und dann den Geschmack daran sowie eine verbesserte Fähigkeit dazu an ihre Nachkommen weitergegeben hätten. Leider konnte auch Darwin keine andere Erklärung dafür finden.

Darwin war ein Perfektionist, der ein Leben lang beharrlich Informationen sammelte und diese bis ins kleinste ordnete. Schließlich begann er 1844 über dieses Thema zu schreiben. Jedoch selbst in den darauffolgenden 10 Jahren gelang ihm keine erschöpfende und endgültige Darstellung dieser Theorien. 1856 endlich unternahm er einen Vorstoß.

Inzwischen hatte sich der englische Naturforscher Alfred Russel Wallace (1823 - 1913) im Fernen Osten mit dem gleichen Problem beschäftigt. Ebenso wie Darwin hatte auch er einen großen Teil seines Lebens auf Reisen verbracht, darunter 4 Jahre (1848 bis -1852) in Südamerika. 1854 segelte er zur Malayischen Halbinsel und den Ostindischen Inseln. Dort fiel ihm der große Unterschied zwischen den Säugetierarten Asiens und Australiens auf. Später, als er über dieses Thema schrieb, zog er eine Trennungslinie zwischen den Ländern, in denen diese unterschiedlichen Arten gediehen. Diese Linie, die auch heute noch die „Wallacesche Linie“ genannt wird, folgt einem Tiefseekanal, der nach Süden die großen Inseln Borneo und Celebes sowie die kleineren Inseln Bali und Lombok trennt. Daraus ergab sich die Auffassung von der Unterteilung der Tierarten in große kontinentale und superkontinentale Blöcke.

Alfred Russel WallaceEs schien Wallace, als ob die australischen Säugetiere primitiver und weniger leistungsfähig als die asiatischen wären und dass erstere in einem Existenzkampf mit diesen untergehen würden. Der Grund dafür, dass die australischen Säugetiere überhaupt noch existierten war die Tatsache, dass Australien und die nahegelegenen Inseln sich vom asiatischen Festland gelöst hatten, bevor die höherentwickelten asiatischen Arten entstanden waren. Solche Überlegungen führten ihn zu der Vermutung einer durch natürliche Zuchtwahl bewirkten Entwicklung. Genau wie bei Darwin reiften diese Gedanken heran, als ihm zufällig Malthus' Buch in die Hände fiel. Wallace weilte zu dieser Zeit auf den Ostindischen Inseln, wo er an Fieber litt. Er benutzte diese Zeit der zwangsläufigen Muße, um seine Theorie niederzuschreiben, wozu er zwei Tage brauchte.
Dann sandte Wallace das Manuskript an Darwin mit der Bitte um dessen Stellungnahme (er wusste nicht, dass Darwin an demselben Problem arbeitete). Als Darwin das Manuskript erhielt, war er wie vom Donner gerührt über die große Ähnlichkeit der Ansichten. Lyell und andere veranlassten, dass einige von Darwins Schriften zusammen mit denen von Wallace 1858 im „Journal of Proceedings of the Linnaean Society“ veröffentlicht wurden.

On the origin of speciesIm folgenden Jahr schließlich veröffentlichte Darwin sein Hauptwerk „Über den Ursprung der Arten durch natürliche Selektion“. Es ist im allgemeinen unter dem Titel „Der Ursprung der Arten“ bekannt.

1871 bekannte sich Darwin mit seinem zweiten großen Werk "The Descent of Man" (Die Abstammung des Menschen) zum auf den Menschen angewandten Evolutionsgedanken. Hierin besprach er die verkümmerten Organe als typische Zeichen evolutionärer Veränderungen. (Im menschlichen Körper gibt es einige dieser Spuren. Der Blinddarm ist das Überbleibsel eines Organs, das einst zur Aufspeicherung von Nahrung diente, die auf diese Weise einem bakteriengesteuerten Abbau unterworfen werden konnte. Am Ausgangspunkt des Rückgrats befinden sich vier Knochen, die früher Teil eines Schwanzes waren.

1856 wurde in Deutschland im Neandertal (Rheinland) eine Schädeldecke aus der Vorzeit ausgegraben.
Sie stammte mit Bestimmtheit von einem Menschen her, war aber primitiver als die Schädeldecke irgendeines gewöhnlichen Menschen. Entsprechend der geologischen Schicht, in der sie gelagert hatte, musste sie viele tausend Jahre alt sein. Sofort entspann sich eine wissenschaftliche Kontroverse. Handelte es sich um eine frühe primitive Form des modernen Menschen, oder lediglich um einen gewöhnlichen Wilden vergangener Zeiten, der an einer Knochenkrankheit oder einer angeborenen Schädeldeformierung gelitten hatte?

Rudolf VirchovDer Arzt Rudolf Virchow (1821 - 1902), eine außergewöhnliche Autorität, behauptete das Letztere. Dagegen bestand der französische Chirurg Paul Broca (1824 - 80), der berühmteste Schädelexperte seiner Zeit, auf der Ansicht, dass kein Mensch der Gegenwart, ob krank oder gesund, einen Schädel gleich dem des Neandertalers haben könne, und dass dieser deshalb eine Frühform des Menschen gewesen sei, die sich in einigen Punkten von dem modernen Menschen wesentlich unterschieden habe.

Um diese Fragen beantworten zu können, mussten weitere Funde gemacht werden: Fossilienfunde von fehlenden Stufen zwischen Mensch und Affe. Unter den Fossilien waren solche so genannten "fehlenden Glieder" keine Seltenheit.

Homo erectus:

Dem holländischen Paläontologen Marie Eugene Francois Thomas Dubois (1858 - 1940) war bei der Suche nach den menschlichen Vorfahren Erfolg beschieden. Besessen von der Hoffnung, das fehlende Glied zu finden, war er der Meinung, dass in solchen Gebieten nach primitiven menschenähnlichen Geschöpfen geforscht werden müsste, in denen es noch Affen in großer Zahl gab. Dies war entweder in Afrika, der Heimat des Gorillas und Schimpansen oder in Südostasien, dem Ursprungsland des Orang-Utan und Gibbon.

1889 wurde er von der holländischen Regierung beauftragt, in Java (damals noch in holländischem Besitz) nach Fossilien zu forschen. Er machte sich mit großem Eifer an die Aufgabe. Innerhalb weniger Jahre entdeckte er eine Gehirnschale, einen Hüftknochen und zwei Zähne, die zweifellos von einem Urmenschen stammten. Die Gehirnschale war wesentlich größer als die eines lebenden Affen und dabei erheblich kleiner als die eines Menschen. Auch die Größe der Zähne lag zwischen der von Menschen und Affen. Dubois nannte das Lebewesen, zu dem diese Knochenrückstände gehörten, den "Pithecantropus erectus" (den aufrechtgehenden Affenmenschen).

Es bestand kein begründeter Zweifel mehr an dem Tatbestand einer menschlichen Evolution oder einer Evolution im Allgemeinen.

Mendel:

Gregor Johann MendelDie heute anerkannte Lösung des Problems ergab sich im Verlauf der Arbeiten des österreichischen Mönchs und Botanikers Gregor Johann Mendel (1822 - 84). Mendel war sowohl an der Mathematik als auch an der Botanik interessiert und vereinigte beide Gebiete zur statistischen Untersuchung von Erbsen, die sich von 1857 über acht Jahre hinzog. Sehr sorgfältig führte er eine Selbstbestäubung bei verschiedenen Pflanzen durch, um sich so zu vergewissern, dass eventuell vererbte Eigenschaften nur von einem Elternteil stammen konnten. Ebenso sorgfältig sammelte er die von jeder so befruchteten Erbsenpflanze erzeugten Samen, pflanzte sie getrennt und beobachtete die neue Generation.

Hugo de VriesMendel zeigte die wesentlichen Mechanismen der biologischen Vererbung. Das war von zentraler Bedeutung für die Evolutionstheorie.

Der holländische Botaniker Hugo de Vries (1848 - 1925) stellte darüber Untersuchungen an. Er entdeckte zufällig auf einer Wiese eine Kolonie gelber Nachtkerzen. Sie waren einige Zeit vorher in Holland eingeführt worden. Den geschulten Augen des Botanikers de Vries fiel bei ihrem Anblick folgendes auf: Einige hatten ein erheblich anderes Aussehen als der Rest, obgleich sie doch Abkömmlinge von den gleichen ursprünglich eingeführten Pflanzen sein mussten.
Er nahm sie mit in seinen Garten, züchtete sie getrennt und kam allmählich zu den gleichen Schlussfolgerungen, zu denen Mendel schon ein ganzes Menschenalter früher gelangt war. Seine Untersuchungen ergaben, dass individuelle Merkmale von Generation zu Generation ohne Vermischung oder Ausgleich weitervererbt wurden. Darüber hinaus stellte er fest, dass hin und wieder eine neue Variante einer Pflanze erschien, die sich beachtlich von den anderen unterschied und sich weitervererbte. De Vries nannte eine solche plötzliche Veränderung Mutation (nach dem lateinischen Wort für "Veränderung") und glaubte, dass sich vor seinen Augen eine Evolution in Sprüngen vollzogen habe.

Bei De Vries trafen schließlich aber doch Theorie und Praxis zusammen. Als er sich um 1900 anschickte, seine Resultate zu publizieren, fanden seine erstaunten Augen bei der Durchsicht der Literatur über diesen Gegenstand die vierunddreißig Jahre alte Arbeit von Mendel. Erich Tschermak von SeyseneggAußer De Vries kamen noch zwei andere Forscher, der deutsche Karl Erich Correns (1864 - 1933) und der Österreicher Erich Tschermak von Seysenegg (1872 - 1962) im gleichen Jahr völlig unabhängig voneinander zu Ergebnissen, die denen von De Vries sehr ähnlich waren. Jeder von ihnen fand bei der Durchsicht der Fachliteratur die Mendelsche Arbeit.

Alle drei, De Vries, Correns und Tschermak von Seysenegg veröffentlichten ihre Arbeiten im Jahre 1900, und jeder der drei zitierte die Mendelsche Arbeit. Ihre eigenen Resultate betrachteten sie nur als Bestätigung der Mendelschen Untersuchungen. Die Entwicklung der Genetik im 20. Jahrhundert lieferte schließlich die Erkenntnisse, die zur Entwicklung einer umfassenden Evolutionstheorie nötig waren. Darwins Theorie erwies sich im Nachhinein (in den wesenlichen Vermutungen) als richtig.

Zum Seitenanfang

Vorarlberger Bildungsserver